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38 Wochen: Bist du bereit?

@38 Wochen Titelbild bearbeitet
Heute bin ich genau 38 Wochen schwanger!

Ehrlich gesagt, kann ich es immer noch nicht fassen. Zurück im November 2015 nach dem positiven Schwangerschaftstest und Termin bei der Frauenärztin, die mir die Schwangerschaft bestätigte, haben sich die vor mir liegende 40 Wochen so lang angefühlt und der Juli 2016 war noch so weit weg. Damals war ich bereit. So dachte ich es mir zumindest. Wir waren bereit Eltern zu werden. Schließlich haben wir alles besprochen und beschlossen das kleine Wunder, das du bist, in diese Welt zu bringen. Und die Tatsache, dass es uns so unerwartet schnell gelungen ist, war wie ein Zeichen, das diese Annahme bestätigte.

Ich weiß noch, dass ganz am Anfang ich es noch nicht ganz glauben konnte. Dass ich schwanger bin, dass in mir ein neues Leben wächst, dass ich in ca. 33 Wochen Mutter sein werde. Aber ich habe mich beruhigt und zu mir gesagt:“Du bist bereit und du hast 33 Wochen Zeit um es noch mehr zu werden!“

Es waren turbulente 38 Wochen. Es waren ruhige 38 Wochen. Nun sind sie vergangen. Ein wenig Traurigkeit ist dabei, wenn ich daran denke. Es ist wie ein Abschied von unserem alten Leben und ein Sprung ins Unbekannte. Bin ich bereit? Kann ich, kann jemand jemals überhaupt bereit dafür sein? Ich kann es nicht aufhalten, ich kann es kaum beeinflussen, ich weiß nicht wie es funktionieren soll und wie es sein wird. Ziemlich schwierig für meinen Persönlichkeitstyp, der gerne Pläne schmiedet (am besten auch noch einen Plan B parat hält) und am liebsten auf alles vorbereitet ist. Ich, die gerne Kontrolle behält. Wie kann ich dafür bereit sein, dass genau diese Vorgehensweise in diesem Fall nicht funktionieren wird?!

Bist du bereit? Ich glaube nicht! Aber ich tue es trotzdem!

Der Lauf der Dinge lässt sich nicht mehr aufhalten. Das war mir auch im November 2015 bewusst. Und obwohl ich noch nie in meinem Leben so viel Angst vor etwas hatte, so wenig möchte ich diesen Hochgeschwindigkeitszug, diese rasante Fahrt bremsen.

Ich bin nicht bereit! Aber ich tue es trotzdem!

Statt mit über die tausend Dinge, die noch zu tun und zu besorgen, zu planen und zu vorbereiten, zu klären und auszufüllen sind, Gedanken zu machen (seien wir mal ehrlich, diese Gedanken kreisen andauern in meinem Kopf!); Pläne zu schmieden, die sowieso nicht funktionieren werden, alle Eventualitäten abzuklären und mich auf alle mögliche Abläufe vorzubereiten, versuche ich etwas ganz anderes. Ich halte an. Ich hole tief Luft. Ich bleibe einfach in diesem Moment stehen.

Ich schiebe alle Gedanken, die mich verrückt machen und zum wilden Aktionismus zwingen, von mir fort. Besser gesagt, ich versuche es. Ich möchte in diesem Moment noch ein wenig verweilen. Ich möchte mich daran erinnern! Hier an diesem metaphorischen Klippenrand zu stehen und kurz Atem zu holen bevor es weiter geht. Ich möchte um mich herum blicken und mich an meine Welt erinnern wie sie davor war.  An die unzähligen ruhigen Morgen, die ich allein verbracht und genossen habe. An die unglaubliche Stille, die durch nichts außer der Kirchenglocke unterbrochen wurde. An die sonnigen und verregneten Morgen während ich sehr früh wach im Bett lag und deine Tritte gespürt habe und mit dir zusammen den Tag begrüßte. Und so oft daran dachte, dass noch ein wenig und diese ruhige Morgenroutine für immer schwindet. Aus all den 38 Wochen, die hinter mir liegen, möchte ich mich vor allem an diese Morgen erinnern. An die zwei ruhige Stunden mit dir bevor der Alltag, To-do-Listen und der Tagesablauf mich einholte. Diese zwei Stunden haben nur mir und dir gehört und wir werden diese nie wieder so erleben. Für diese Zeit, für diese zwei Stunden bin ich unglaublich dankbar. Also sage ich: „Danke!“ und lasse los. Ich versuche es. Ich stehe hier am Rande meiner Klippe, schaue mich um und lasse los.

Nein, ich bin nicht bereit. Aber ich tue es trotzdem!

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